Knopf im Ohr I – Abschottung

Veröffentlicht: 21. Juli 2011 in Coaching, Persönlichkeit
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Machmal finde ich es erschreckend wie viele Menschen inzwischen einen bzw. zwei Knöpfe im Ohr haben. Wenn ich durch einen Zug oder einen Bus gehe, ist kaum nochbein Mensch ansprechbar. Alle leben in einem unzugänglichen Raum der Einsamkeit – mitten in der Masse.

Ich verstehe die Absicht mal abzuschalten, sich von der Umwelt zu isolieren und mal nur den eigenen Gedanken nachzuhängen. Diese Auszeiten habe ich mir auch immer mal genommen. In meiner Jugendzeit, als es den Knopf im Ohr noch nicht gab, habe ich mich in der Disco vor bzw. unter die Lautsprecher gesetzt, die Augen geschlossen und mich einfach in die Musik fallen lassen. Großartige Augenblicke waren das, die über manche Probleme hinweggeholfen und wieder neue Kraft gegeben haben. Auch heute gönne ich mir hin und wieder solche Momente, um kurzzeitig abzuschalten, mal die Welt und ihre Probleme zu vergessen und ganz in mir selbst zu ruhen.

Solche „Auszeiten“ brauchen wir Menschen, um Stress abzubauen und mit neuer Kraft unser Tagwerk anzugehen. Wie aber kann jemand Stress abbauen, der solche Auszeit – also weg von der Umwelt und sich in sich selbst zurückziehen – zum Standard gemacht hat? Wer ständig den Knopf im Ohr hat und sich von der Umwelt abschottet, wohin kann der noch „fliehen“ wenn er eine Auszeit braucht? Die andauernde Berieselung mit – meist viel zu lauter – Musik direkt aufs Trommelfell, wird irgendwann zum eigenständigen Streßfaktor. Es gibt keine Entspannung mehr, keine Auszeit, die helfen könnte Stress abzubauen.

Immer mehr Menschen geraten in den Sog des Burn Out, weil sie es nicht schaffen den Stress durch Ruhephasen auszugleichen. Der ständige Knopf im Ohr verstärkt das Problem, weil er zwar von der Umwelt abschottet, aber selbst Streßfaktor ist, der nicht erkannt wird. Die scheinbare Abgeschiedenheit von der Umwelt verhilft zum Alleinsein, aber nicht mehr zur Ruhe.

Zudem nehmen die zwischenmenschlichen Beziehungen immer mehr ab. Aber dazu mehr im „Knopf im Ohr II“.

http://www.hpweyer.de

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Kommentare
  1. Luca sagt:

    Selbst Death Metal und Techno ist für manche Leute gut um sich zu entspannen. Auch wenn es ständig ist. Ich persöhnlich laufe auch immer mit Kopfhörern durch die Stadt, aber nicht, weil ich mich von den Leuten um mich herum abschotten will, sondern, weil ich für mich sagen kann, dass sich meine Laune weit gehen bessert sobald ich Musik höre, ob’s nun laut oder leise ist, ist rellativ. Ich hab manchmal auch wirklich keine Lust darauf, dass mich Leute ansprechen. Für andere mag es dann, so wie für dich, unangebracht sein, aber ich fühl mich wohler, wenn ich draußen bin und Musik hören kann. Das ist für mich eher Entspannung und Ruhe, als wenn ich von sämtlichen Leuten angequatscht werde.

    Disco kostet was – Musik auf dem Handy zu hören nicht… ^___~

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